Montag, 13. Dezember 2010

Kunst für den Menschen
Je nachdem, wie man im Begriff ist, Kunst zu definieren, variiert gleichfalls ihr Zweck. Handelt es sich dabei, z.B. Platons Erachten nach, um etwas angesichts seiner mangelnden Übereinstimmung mit den nackten Tatsachen die Wahrheit Verdeckendes, bildet ihr Ziel den Sophisten zufolge die Vorspiegelung verdrehter Fakten und demnach hatten die Künstler keinen Platz in ,, Megnazia", Platons Utopia.
Das Imitieren der Wirklichkeit (μιμεσις) halten jedoch manche wie Aristoteles keineswegs für eine Vortäuschung , sondern für einen natürlichen Trieb des Menschen, mithilfe dessen Beherrschung meist die moralische Richtung (καδαρσις) unserer Gefühle zustande kommen kann, z.B. in der Tragödie dadurch, dass sich die Zuschauer in die Rolle der mit ethischen Dilemmata konfrontierten Hauptfiguren versetzen, was hervorrufen mag, dass die Betrachter sich in ähnlichen Fällen einsichtiger respektive entschlossener verhalten. Davon lässt sich klar darauf schließen, dass die Kunst aus diesem Blickwinkel der Hebung der Moral gilt.
Als Reaktion auf solch eine zweckgebundene Sicht wurde die Theorie ,, Kunst für Kunst" aufgestellt, nach der jeder Zweck, von Moral bis einschließlich zur vor allem vom französischen Existenzialismus bearbeiteten ,,gesellschaftlichen Verantwortlichkeit", bis auf die Kunst selbst sie von ihrer Identität entfremdet, ganz zu schweigen von materielle Zwecke.
Den Befürwortern dieser Auffassung einen Tadel erteilend sehe ich allerdings die Kunst immerhin als ein Mittel an, vermöge dessen ein/e KünstlerIn imstande ist, etwas, wovon man nicht sprechen kann, ohne darüber zu schweigen, darzustellen bzw. zu spielen. Dabeikommt man aus sich selbst heraus, steht voll Hasses oder Narzissmus seinem sein Inneres reflektierenden Werk gegenüber und sich fragt, ob das Höllische oder Idyllische blühen zu lassan oder totzuschweigen ist. Wofür und wie man sich auch entscheidet, die Kunst muss zunächst den Menschen, der ein weitesmöglich mit seinen konkreten Merkmalen übereinstimmendes Urbild verkörpert, seine Nöte, Laster und Tugenden veranschaulichen, wo das Mittel den Zweck am allerschönsten heiligt.
Hassan

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