Kayvan Soltani
fragt sich, ob der Verkehrsminister schon einmal mit dem Bus gefahren ist
„ Wir haben unsere Bürgerinnen mit genug öffentlichen Verkehrsmitteln versorgt und in jedem Bezirk stehen zahlreiche Busse zur Verfügung... besonders in Stoßzeiten...‘‘
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ährend meiner Unizeit, als ich noch Student war, hatte ich viele Probleme mit der Fahrt zwischen meiner Wohnung und der Uni. Meine Uni lag im westlichen Teil Teherans und ich wohnte-und wohne noch-im östlichen. Doch es gibt eine riesige Autobahn, die diese zwei Ende Teherans miteinander verbindet, die aber nur zwischen 10 Uhr abends und 6 Uhr morgens ohne Stau zu passieren ist. Schon der Name dieser Autobahn ist für viele ein Albtraum. Die Fahrt, die normalerweise nicht mehr als 20 Minuten dauern darf, dauert, je nachdem wie dicht der Verkehr ist, zwischen 80 und 100 Minuten! Die Spitze liegt zwischen 7 und 10 Uhr morgens und 4 und 8 Uhr abends, genau die Zeiten, zu denen ich morgens zur Uni fahren und abends nach Hause zurückkommen musste. Aber das war nicht das größte Problem, sondern die öffentlichen Verkehrsmittel! Und wenn ich von öffentlichen Verkehrsmitteln spreche, meine ich die Busse, da man in Stoßzeiten kein Taxi finden kann. Die Taxifahrer ziehen es nämlich vor, überhaupt nicht zu arbeiten und damit ihr Benzin und ihre Nerven zu sparen-das kann man ihnen wahrhaftig nicht verdenken. Das heißt, in derartigen Zeiten hat man eine große Auswahl: die Busse. Und mit „groß‘‘ meine ich die Größe! Ich glaube, dass ich nicht erst erklären muss, wie katastrophal es war, in einen Bus einzusteigen. Wenn ein Bus zu dem Busbahnhof kam, rannten alle Wartenden auf ihn zu und plötzlich war der ganze Bus unter Beschuss! Das ist die Zeit, in der alle zu Egoisten werden und ohne Rücksicht auf Verluste die Menschlichkeit mit Füßen treten, als ob wir um unser Leben kämpften-der Überlebenskampf!
Jetzt aber zurück zu meiner Geschichte. Einmal, nachdem ich die letzten drei Busse verpasst und etwa eine Stunde gewartet hatte, habe ich es geshafft, in einen Bus einzusteigen. Da ich unter den Letzten war, die vom Glück begünstigt worden waren, musste ich direkt neben der Bustür stehen, wobei mein Arm sich an die Scheibe presste und mein Kopf unter fürchterlichem Druck stand. Solang ich endlich am Ziel ankam, war das erträglich. Um es kurz zu machen, als der Bus die nächste Busstelle erreichte, musste ich aussteigen, weil einige der Fahrgäste aussteigen wollten und ich ihnen den Ausgang versperrt hatte. 11 Fahrgäste stiegen aus und glücklicherweise gab es nur 4 Wartende an der Busstelle die in den Bus einsteigen wollten. Ja, ich fühlte mich wohl: „Toll! Jetzt gibt es 7 Fahrgäste weniger und wir können bequemer stehen. Mein Kopf wird vom Druck befreit.‘‘ So habe ich gedacht. Ich wartete, bis die vier Wartenden einstiegen-das war, was ich nicht hätte machen dürfen- und als ich einsteigen wollte... Oh, ich konnte es nicht glauben, es gab keinen Platz mehr im Bus!! Und niemad hat auch nur versucht, mir Platz zu machen. „Ihr seid unmöglich!‘‘ Einige haben mir ins Gesicht gelacht. „Das ist doch wohl nicht euer Ernst! Das ist einfache Mathematik: 11 Fahrgäste sind ausgestiegen und 4 sind...‚‘‘ Aber bevor ich mit meinem Satz fertig war, sind die Türen geschlossen worden und der Bus war weg.
Ich musste noch 20 Minuten warten, bis der nächste Bus kam, und die Fahrt nach Hause hat 45 Minuten gedauert. Das heißt, ich war insgesamt etwa 2 Stunden unterwegs. An demselben Abend, als ich müde und kraftlos mit starken Kopfschmerzen vor dem Fernseher saß, kam die Aussage des Verkehrsministers in den Nachrichten: „Wir haben unsere Bürgerinnen mit genug öffentlichen Verkehrsmitteln versorgt und in jedem Bezirk stehen zahlreiche Busse zur Verfügung... besonders in Stoßzeiten...‘‘ Kein Wort könnte mein Gefühl beschreiben. Ich wundere mich, ob er auch nur einmal mit einem Bus in Stoßzeiten gefahren ist... .
