Institutionelle Theorie der Kunst
Im 20. Jahrhundert wurde der Kunstbegriff radikal in Frage gestellt. Die traditionelle Kriterien, wie Schönheit oder ästhetische Qualitäten, waren für viele Künstler außer Kraft. Bei vielen künstlerischen Arbeiten war nur das soziale Konzept in Bezug auf Kritik an der Gesellschaft wichtig und das Ziel von manchen Kunstwerken war, die konventionellen Definitionen von Kunst zu ändern, um ihre Betrachter stärker zum Nachdenken zu zwingen. Diese Änderungen haben den Begriff der Kunst so beinflusst, dass die Unterscheidung von Kunstwerk und Nicht-Kunstwerk in vielen Fällen sehr schwer oder sogar unmöglich war. Die drastische Ausweitung der Grenzen von Kunst wurde für viele Philosophen und Theoretiker zu einer Herausforderung, um die Fragen was Kunst ist und wann jemand als Künsler zählt, neu zu beantworten. Aber alle Definitionen waren umstritten. Keine Eigenschaft oder Menge von Eigenschaften konnte gefunden werden, die alle Gegenstände unter dem Begriff „Kunst“ vereint. Dieses Problem war besonders schwer zu lösen, wenn jemand sein Kunstwerk nur findet oder wählt, nicht durch seine künstlerischen Fähigkeiten etwas schafft. Was ist beispielsweise der Unterschied zwieschen die Andy Warhols „ Brillo Boxes ‘‘ (Dosen für Seife), die als Kunstgegenstände in einer Ausstellung oder einem Museum präsentiert werden, und allen anderem gleichen Brillo Boxes im Sortiment eines Supermarkts, die einfach als Alltagsgegenstände gekauft werden können? Was erlaubt Andy Warhol mit seiner Wahl ein Künstler zu sein, aber den anderen nicht?
George Dickie und ein anderer amerikanischer Philosoph, Arthur Danto, haben in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts behauptet, dass sie mit ihrer „Institutionellen Theorie der Kunst‘‘ eine überzeugende Antwort auf solche Fragen gefunden hätten. Nach ihrer Ansicht kann eine bemalte Leinwand, ein Buch, ein Musikstück oder ein gefundener Gegenstand ein Kunstwerk sein, wenn es von jemandem, z.B. von dem Künstler selbst, als Kunstwerk bezeichnet wird und von einem verständigen Kunstwelt- Publikum den Status als Kunstwerk bekommen kann. Bei dieser Theorie, ob etwas ein Kunstwerk ist, hängt die Beurteilung nicht von intrinsischen Eigenschaften wie Schönheit oder harmonischen Formen ab, sondern der Würde, die es als Kunstwerk bekommt. Aber wer kann diesen künstlerishen Status etwas oder jemandem verleihen? Hier spielt die „ Kunstwelt‘‘ ein bestimmte Rolle. Die „ Kunstwelt‘‘ besteht aus alle Institutionen, die etwas mit Kunst zu tun haben. Alle Künstler, Kunsthistoriker, Kunsttheoretiker, Museen, Galerien, Zuschauer, Journalisten, Kritiker und alle andere Institutionen, die behaupten, mit Kunst zu tun haben, können ein Teil der „ Kunstwelt‘‘ sein. Deshalb ist die „ Kunstwelt‘‘ ein soziale Institution, die sich in verschiedenen Zeiträumen und verschiedene Gesellschaften oder Kulturen ändert. Mit der Institutionellen Theorie der Kunst können viele Kunstwerke aus dem 20. Jahrhundert, die im Allgemeinen keinen Unterschied zu einem Alltagsgegenstand oder keine innerlichen ästhetischen Eigenschaften aufweisen, gerechtfertigt werden. Sie haben ihren küstlerischen Status im Namen der Kunstwelt erworben.
Maryam