Montag, 6. Dezember 2010

Allgemeine Wehrpflicht

Als Befürworter T. Hobbes' Theorie eines ,,natürlichen Kriegszustands" , skeptisch gegenüber einer utopisch gerechten Welt, in der sich kein Krieg ereignet, nehme ich teilweise an, dass die Militarisierung durch allgemeine Wehrpflicht der Gesellschaft gelegentlich von Nutzen gewesen ist. In Hinblick auf ihre überwiegenden Nachteile vertrete ich jedoch die Ansicht, dass die Existenz solch einer Wehrpflicht heutzutage jeder Grundlage und Logik enbehrt.
Aber was oft als ihre vorteilhaften Ziele erwähnt wird, kann man m.E. durch weitaus bessere Alternativen durchsetzen. Mir fällt hier ein Beispiel ein, und zwar was in den USA läuft. Nicht alle, sondern ein professionell bewaffnetes Militär muss sich dazu verpflichten, im angesichts der sich zurzeit mit der Sicherung des Weltfriedens beschäftigenden Organisationen wie UN oder NATO usw. selten vorkommenden Kriegsfall die Heimat zu verteidigen. Andererseits steht es in manchen Ländern zur Wahl ,den Wehrdienst im sozialen Bereich abzuleisten, was der derzeitigen Gesellschaft im Vergleich zu anderen Wahlmöglichkeiten optimalen Nutzen bringt bzw. ihre Bedürfnisse deckt, vorausgesetzt, dass dieser Zivildienst den jungen Männern in keinster Weise aufgezwungen wird, andernfalls wird er so gut wie keinen Unterschied zu der häufig von totalitären Staatsformen herrührenden ,,allgemeinen Wehrpflihct" aufweisen.
Im Iran herrscht aber völlig andere Lage. Abgesehen vom Machthunger unserer Regierungschefs und ärgeren Umständen unserer Wehrpflicht sind wir Iraner mit einigem Komplizierten konfrontiert. Einerseits hält die islamische Tradition einen Krieg für heilig, auf dem Weg Gottes und deswegen zu fallen, soger für den kürzesten Weg zum Paradies! Zum anderen müssen wir unsere tragische, zu missdeutende, sich während der Revolution und des 8-jährigen Krieges vollzogene Vergangenheit bewältigen.
Bei etlichen Diktatoren im Dienst zu stehen oder infolge der Wehrdienstverweigerung zu einem der gegen die religiösen, heimischen Gesetze Verstoßenden gezählt zu werden, wofür soll ich seelisch und geistig Friedliebender mich entscheiden?
Hassan

2 Kommentare:

  1. Ja, man könnte zahllose Beispiele dafür nennen, dass "der Mensch dem Menschen ein Wolf ist" und dass die meisten allein auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, statt auf das Gemeinwohl. Jemanden dazu zu zwingen, etwa in Form von Zivildienst zu diesem Gemeinwohl beizutragen, ist aber, wie du ja auch bemerkst, wohl kaum der richtige Weg, da dieses Engagement nicht auf Überzeugung, sondern vielmehr auf der Aussicht auf eine bequemere Alternative zum Wehrdienst basiert. Dabei können ja schon kleine Gesten zu einer freundlicheren Atmosphäre beitragen, es müssen gar keine heroischen Taten sein! Und natürlich wäre es großartig, wenn nicht nur "die unten", sondern auch "die oben" deine "seelisch und geistig friedliebende" Einstellung teilen würden ...

    AntwortenLöschen