Beuys stand auf dem Standpunkt, dass der Gedanke des Menschen ebenfalls eine Plastik (Skulptur) sei. Die “Skulptur” enthält nach Ansicht Beuys’ eine allgemeine Bedeutung: wir sind in der Lage, jemandes Gedanken zu sehen. Beuys erweitert durch seine Theorie der “sozialen Plastik” nicht nur den herkِmmlichen Kunstbegriff, sondern den gebräuchlichen Sinn der Kunst und stellt die einzigartige Wirkung künstlerischer Werke in Frage. Aus Beuys’ Sicht gelangen wir zu einer effektiv(en) demokratischen Gesellschaft, wenn die Kunst sich mit allen Seiten (Aspekten) unseres Lebens vermischt. Die Kreativität setzt diese Einheit um.
Deswegen verlieren die Fächer und die Bereiche, mit denen wir uns beschäftigen, beziehungsweise die Gesellschaftsschichten an Bedeutung. Unter diesen Umständen lässt sich die Kluft zwischen “Kunst” und “nicht Kunst” überwinden. Dieses Grenzenlose veranschaulicht manche Lücken der Umgebung, während es uns die neu entstandenen Lücken vor Augen führt. In der Tat richten wir unser Dasein (Existenz) nach den unbeschreiblichen und wortlosen Lücken, die sich nicht füllen lassen, dennoch schafft diese “neue Bewegung” (moderne Kunst) uns den einen fühlbaren Sinn.
Bei dieser Gelegenheit schlüpft die Künstlerin in die Rolle einer Lehrerin, oder umgekehrt die Lehrerin als Künstlerin!
Auf diese Weise fِrdert die Aktion nicht nur mannigfaltige Kunstwerke zu Tage, sondern vielmehr das Bewusstsein der die Teilnehmer.[Auf diese Weise ِffnet die Aktion den Blick der Teilnehmer nicht nur für mannigfaltige Kunstwerke, sondern vielmehr für ihr Bewusstsein.] Sie werden während des Rundgangs durch die Aktion gesteuert, indem sie einige geschriebene Fragen verfolgen, statt sie blind (mit verbundenen Augen) zu beantworten. Porträts aus deutschsprachigen Ländern stammender Künstler ermöglichen einen zweckmäßigen (Weg zum) Zugang zu der Ausstellung. Die zeitlich angeordneten Exponate umgeben die Besucher: die Buntheit Vuillards unternimmt enttäuscht den Versuch, sich einen Weg durch die gegenwärtige graue Welt zu bahnen. Der Expressionismus lässt unablässig in der Finsternis verschwinden. Die außergewِhnlichen Träume des Surrealismus hauchen unserer abgestumpften Realität ein.
Auf der anderen Seite schweigt das Personal [wie die Verstorbene in Gräbern] / [wie ein Grab]! Action Painting verbleicht in der Leere Pollocks, und beim Anblick Kandinsky in der Vitrine überfiel die Zuschauer Schwermut. Die stille Zeit erobert sie allmählich , so dass die Heiterkeit der Formen und Farben sich hinter einem vagen Trübsinn verbirgt. Dann versumpft die wahre Reinheit Reinhardts hinter der Scheibe in der Verschwommenheit. Darum verstärkt das frühere Verlassen der Aktionskünstlerin während der sich wiederholenden Darstellung des Todes (Todesdarstellung) von Warhol unsere Einsamkeit.
Die Teilnehmer, denen schwindlig geworden ist, unterziehen sich einer unangebrachten musikalischen Untermalung, da eine Metalltreppe niemanden beflügelt. Außerdem mahnen an der Minimalismus Sol Le Witts uns das unabänderliche Schicksal. Am Ende der Aktion habe ich wie immer das Gefühl, dass die allgegenwärtige Katastrophe uns immer noch uns bevorsteht, doch anscheinend dauert diese ewige Wartezeit (Wartezustand).
-Foad Farahani-
Eine eindrucksvolle Stimmung zieht sich da durch deinen Text. Eine, die den Leser für die "wortlosen Lücken, die sich nicht füllen lassen" sensibilisiert, die ihn zunächst vielleicht etwas ratlos zurücklassen...
AntwortenLöschenZum Glück inspirieren einen da die Lichtreflexe der Impressionisten und die "Träume des Surrealismus" und verhelfen einem dazu, neue Brücken zu bauen und Treppen, die weiterführen, immer weiter, und vielleicht sogar endlos sind - wie die Details aus Robert Bressons Buch :-) !